Henry Cardell
Henry Cardell

Interview mit dem neuen Sinclair-Autor Henry Cardell

Lieber Henry, wir freuen uns riesig, dich als neuen Sinclair-Autor begrüßen zu dürfen! Weißt Du noch, wann Du das erste Mal mit John Sinclair in Berührung gekommen bist?

Den Moment werde ich wohl nie im Leben vergessen. Das war im zarten Alter von elf Jahren, als mir mein bester Freund die Tonstudio Braun Hörspielkassette „Ich jagte Jack the Ripper“ in die Hand gedrückt hat. Die hat mir im Anschluss zwar zahlreiche schlaflose Nächte bereitet, mich aber auch mit dem Sinclair-Fieber infiziert, das bis heute glücklicherweise nie geheilt ist.
Mein erster Heftroman von Jason Dark war direkt danach der erste Teil der mittlerweile legendären Vampir-Trilogie „Der Pfähler“ in der dritten Auflage. Und ich glaube, es gibt kaum einen besseren Roman, um mit dem Lesen von John Sinclair zu anzufangen.

Wann hast Du damit begonnen, Dir eigene Geschichten auszudenken und die dann aufzuschreiben?

Wenn man den Erzählungen (und meinen Schulzeugnissen) glauben mag, war ich schon als Kind sehr verträumt und hing gedanklich gerne in meinen eigenen Welten herum. Daher habe ich recht früh damit angefangen, mir die Geschichten und Abenteuer, die darin stattfinden, aufzuschreiben. Wobei das eine Zeit lang ausschließlich in Form von Comics geschehen ist. Mein größter Traum war es, Comiczeichner zu werden oder Animator bei Walt Disney. Leider ließ mein Zeichentalent etwas zu wünschen übrig, woraufhin ich mich schließlich auf das Verfassen von Texten konzentrierte. Und als ich als Kind die ersten John-Sinclair-Geschichten verschlungen habe, war es natürlich naheliegend, sich selbst an Heftromanen zu versuchen. Die waren selbstverständlich gnadenlose Plagiate des Geisterjägers, kamen in meinem Bekannten- und Freundeskreis jedoch trotzdem so gut an, dass ich am Ball geblieben bin.

Was war das für ein Gefühl für Dich, als Du Deinen ersten eigenen Sinclair-Roman veröffentlicht hast?

Interessanterweise war es gar nicht so spektakulär, wie ich mir das ein Leben lang vorgestellt hatte. Anders als bei meinem Gespenster-Krimi „Die Rache des Höllenhundes“, der ja meine erste professionelle Veröffentlichung überhaupt war. Da habe ich wochenlang ein ziemlich blödes Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Als mein erster John-Sinclair-Roman erschien, war ich schon über ein Jahr Teil der Heftroman-Maschinerie von Bastei und hatte bereits fünf Gespenster-Krimis veröffentlicht. Da war das Erscheinen des Sinclair-Romans fast schon erschreckend normal. Trotzdem bin ich natürlich unglaublich stolz, mittlerweile ein Teil des Sinclair-Universums zu sein. Das ist schließlich nichts anderes als ein Kindheitstraum, der sich nach vielen Jahren endlich erfüllt hat.

Du hast im Gespenster-Krimi den Geisterjäger Isaac Finley eingeführt, der sich einer großen Beliebtheit erfreut. Wie bist Du auf die Idee zu diesem Charakter gekommen und gibt es abgesehen vom Beruf Parallelen zwischen Isaac und John?

Da ich ein riesiger Fan der Miss Marple Filme aus den sechziger Jahren bin, war es ursprünglich geplant, einen ähnlichen Charakter als Hauptperson meiner Romane zu erfinden. Da ich aber wusste, dass es unrealistisch sein würde, wenn ich eine über siebzigjährige Frau von einer Action-Szene in die nächste jage, wollte ich ihr einen Sidekick zur Verfügung stellen, der diese Aufgabe für sie übernimmt. Als sich herauskristallisierte, dass es sich bei Lady Mildred um eine Adelige handeln wird, war es naheliegend, dass ihr Butler diesen Teil übernehmen könnte. Und irgendwie hat es der gute Isaac geschafft, sich unbemerkt in den Vordergrund zu drängen, wogegen ich mich allerdings auch nicht großartig gewehrt habe.
Ich habe Isaac bewusst als genauen Gegenpart von John erschaffen, weswegen die Unterschiede viel größer als die Parallelen sind. Auf der einen Seite der erfahrene Geisterjäger, mit allerlei Waffen und polizeilichen Sondervollmachten, auf der anderen der blutige Anfänger, der noch keine Ahnung hat, wie er sich in der Welt der Dämonenbekämpfung richtig zu verhalten hat.

Henry Cardells Sinclair-Romane
Henry Cardells Sinclair-Romane

Bei John Sinclair trat mittlerweile bereits zweifach die Studentin Stacy Albright in Deinen Romanen auf, die von den Fans ebenfalls sehr positiv aufgenommen wurde. Gibt es zu ihr auch eine Hintergrundgeschichte und planst Du, sie längerfristig zu etablieren?

Was Stacy Albright angeht, möchte ich an dieser Stelle noch nicht zu viel verraten. Aber es werden in naher Zukunft Dinge mit ihr geschehen, die ich ursprünglich so nicht geplant hatte. Ob es sich dabei um gute oder eher schlechte Dinge handelt… wer weiß. Lasst euch überraschen!

Es ist ja aufgrund Deiner Romanhefte, die Du zu John Sinclair und zu den Gespenster-Krimis beigesteuert hast, mehr als offensichtlich, dass Du Dich für Grusel und Horror interessierst. Welche anderen Genres magst Du besonders gerne?

Mittlerweile lasse ich mich gar nicht mehr so sehr von Genres einengen, was die Auswahl meiner Lektüre angeht. Solange es spannend ist und mich begeistert, lese ich eigentlich alles, was mir in die Finger kommt. Das können Biografien, Comics, Romanhefte, Thriller, Fantasyromane, Krimis, Klassiker, Sachbücher oder zeitgenössische Literatur sein. Hauptsache, es unterhält mich oder ich kann etwas daraus lernen.

Welche Autorinnen und Autoren haben Dich als Autor beeinflusst?

Da muss ich an erster Stelle natürlich Jason Dark nennen, der ein so abwechslungsreiches und beeindruckendes Lebenswerk geschaffen hat, das seinesgleichen sucht. Außerdem ist er ja nicht ganz unbeteiligt daran, dass es mich als Kind zum Schreiben hingezogen hat. Später waren es vor allem Wolfgang Hohlbein und Andreas Eschbach, die mich durch ihre jeweiligen Schreibstile mehr als beeindruckt haben. Vielleicht noch J. R. R. Tolkien, der mit dem Herrn der Ringe mein absolutes Lieblingsbuch geschrieben hat, das ich letztes Weihnachten bereits zum vierunddreißigsten Mal gelesen habe. Aber über allem thront unverrückbar Stephen King. Der Mann könnte wahrscheinlich seine Einkaufsliste veröffentlichen, und selbst die wäre noch spannend zu lesen.

Wenn Du selbst Horror- oder Gruselerzählungen entwickelst, welche Art des Horrors liegt Dir dann besonders? Aufgrund Deiner bisherigen Veröffentlichungen würde ich auf atmosphärischen Horror tippen.

Es ist ja kein Geheimnis, dass ich eher die kleineren, psychologischen Geschichten mag, die eine dichte Gruselatmosphäre und interessante Charaktere zu bieten haben. Das schlägt sich auch in meinen eigenen Romanen nieder.

Gibt es eine Wunschthematik, über die Du mal super gerne einen Sinclair-Roman schreiben würdest?

Seit ich beim Verfassen meines Gespenster-Krimis „Der Kinderschreck“ gemerkt habe, wie viel Spaß es mir macht, Geschichten aus der Vergangenheit der jeweiligen Hauptperson zu schreiben, juckt es mir ständig in den Fingern, einen Roman über Johns Kindheit oder Jugend-bzw. Studentenzeit aufs Papier zu bringen. Das stelle ich mir wahnsinnig interessant vor.

Henry Cardell ist Dein Künstlername. Gibt es eine Geschichte dazu, wie dieser Name entstanden ist?

Die gibt es, allerdings ist sie nicht besonders spannend. Mein Ziel war es, einen Namen zu finden, bei dem im ersten Moment nicht sofort klar ist, aus welchem Land er stammt. Henry ist einfach die englische Form meines richtigen Vornamens und Cardell kommt aus dem Roman „1793“ von Niklas Natt och Dag. Da hat mir der Klang des Wortes sehr gut gefallen.

Interessierst Du Dich auch für Horrorfilme? Wenn ja, welche zählen zu Deinen Lieblingsfilmen?

Interessanterweise kann ich mit Horrorfilmen gar nicht so viel anfangen. Am ehesten sprechen mich vielleicht noch die alten Hammer-Filme mit Christopher Lee an, wie beispielsweise „Dracula“ oder „Der Hund von Baskerville“.

Vielen Dank für das spannende Interview!