John Sinclair-Autor Henry Cardell
Die indirekte Schuld daran, dass ich heute Heftromane schreibe, trug wohl ein riesiges Frankenstein-Monster, das knietief in einem Sumpf stand und gerade dabei war, einen Werwolf zu erwürgen. Und nein, ich rede hier nicht von dem schrägen Anblick meiner Verwandten, die sich bei einem Familientreffen gestritten haben, sondern von dem Cover des Vampir-Horror-Romans „Frankenstein und der Werwolf“.
Der Roman von 1976 ist ein gutes Stück älter als ich und hatte somit schon einige Jährchen auf dem Buckel, als ihn mir mein Vater an meinem zehnten Geburtstag in die Hand drückte. Doch das spielte keine Rolle. Von da an war ich mit dem Grusel- und Heftromanvirus infiziert, der sich (vor allem dank der kurz danach entdeckten Abenteuer eines gewissen Helden namens John Sinclair) bis heute als unheilbar erwiesen hat.
Inspiriert durch die abwechslungsreichen und spannenden Geschichten des Geisterjägers, dauerte es nicht lange, bis ich mich selbst an die ersten selbstgeschriebenen Storys wagte, die ich voller Stolz auf dem Schulhof verhökerte. Es folgte eine Masse an halb fertigen und abgeschlossenen Romanen, garniert mit zahlreichen Ablehnungsschreiben von Agenten und Verlagen. Dennoch bin ich dem Schreiben jahrelang treu geblieben und habe nie die Hoffnung aufgegeben, eines Tages im Heftroman veröffentlicht zu werden. Und letztendlich wurden meine Geduld und Hartnäckigkeit belohnt.
Seit fast zwei Jahren erscheint nun schon meine eigene Subserie um den Butler Isaac Finley und seiner Vorgesetzten Lady Mildred Enderby im Gespenster-Krimi. Und auch mein größter Traum, irgendwann für John Sinclair zu schreiben, hat sich durch deren Erfolg mittlerweile erfüllt. All das wurde schließlich im letzten Jahr durch einen handgeschriebenen Brief von Jason Dark gekrönt, in dem er sich begeistert von meinen Romanen zeigte und mich ermutigte, weiterhin für Sinclair am Ball zu bleiben. Was ich übrigens uneingeschränkt vorhabe.
Und wer weiß, irgendwann werde ich möglicherweise einen Roman schreiben, in dem erneut Frankensteins Monster auf einen Werwolf trifft. Vielleicht auf einem Familienfest. Man wird sehen.
Henry Cardell
Steckbrief von Henry Cardell
Mein Kindheitstraum:
Ob man es glaubt, oder nicht, aber tatsächlich war es schon im zarten Alter von zehn Jahren mein Traum, irgendwann einmal Heftromanautor zu werden.
Warum ich Autor wurde:
Ich könnte jetzt einfach sagen: Siehe Antwort auf die vorherige Frage. Die tiefere Wahrheit ist jedoch, dass ich schon als Kind den unbändigen Drang verspürte, meine Mitmenschen mit Geschichten zu unterhalten, die ich mir in meinem Kopf zusammengesponnen habe, und anschließend in egal welchem selbstgebastelten Medium herauslassen musste: In Comics, Hörspielen, Filmen und natürlich Büchern.
Was der Beruf mir bedeutet:
Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn man mit dem Hobby, das man sein Leben lang so leidenschaftlich verfolgt, Menschen erreicht, denen gefällt, was man da so von sich gibt (Und dafür auch noch bezahlen).
Mein erster Job:
Verkäufer in der Lampenabteilung eines Baumarktes (Klingt so langweilig, wie es ist).
Welchen Bezug ich zu John Sinclair habe:
Nach all den Jahren, die ich mit dem Verschlingen der typischen Kinder- und Jugendliteratur verbracht hatte, war John Sinclair die erste Lektüre, die Erwachsenen-Niveau vorweisen konnte, worauf ich damals unglaublich stolz war. Seitdem begleitet mich der Geisterjäger treu durch alle Höhen und Tiefen meines Lebens.
Dein Lieblingsgegner bei John Sinclair:
Der Dämon Abrakim aus dem Roman „Eine schaurige Warnung“, der mir im Alter von zehn Jahren, dank des Tonstudio Braun Hörspiels, monatelange Albträume beschert hat. Mein Kumpel und ich haben damals übrigens, genau wie der Dämon, menschliche Skelette (natürlich aus Pappmaché) im Wald aufgehängt, um andere Kinder zu erschrecken. Dort baumeln sie wahrscheinlich heute noch.
Mein Lieblingslied:
„Man in the mirror“ von Michael Jackson
Mein Lieblingsfilm:
Die Star Wars Episoden I – VI (Alle Filme und Serien danach existieren für mich nicht).
So entspanne ich:
Beim Meditieren und Joggen (Natürlich nicht gleichzeitig).
Worauf ich stolz bin:
Auf meine fünf Kinder, aus denen (trotz ihres schusseligen Vaters) anständige Menschen geworden sind. Wenn sie jetzt auch noch Heftromane lesen würden, wäre das wahrscheinlich zu viel des Guten.
Mein perfekter Tag:
Nichts tun, nichts tun und nochmals nichts tun. Und am Abend ein gutes Buch zusammen mit einer kubanischen Zigarre und einem Glas Portwein genießen.
Mein Laster:
Meine Faulheit, dank derer ich wahrscheinlich zwanzig Jahre meiner Schriftsteller-Karriere erfolgreich verpennt habe
Wen ich bewundere:
Alle Menschen, die es geschafft haben, sich trotz aller Widrigkeiten ihren Traum zu erfüllen. Also quasi mich selbst ;-)
Meine Inspiration:
Dank meiner überbordenden Fantasie ziehe ich Inspiration aus allen möglichen Dingen, die mir im Laufe des Tages begegnen. Manchmal sehr zum Leidwesen meiner Mitmenschen.